Die Einladung zum Arctic Dialogue in Potsdam bot BIRGEJUPMI einen wichtigen Raum, um darüber zu reflektieren, was Mitgestaltung in der Arktisforschung konkret in der Praxis bedeutet — jenseits politischer Sprache und Projektvorgaben. Die Diskussionen fanden in einem Rahmen statt, der aktiv indigene Rechteinhaber*innen, Forschende, Entscheidungsträger*innen und Wissensinhaber*innen zusammenbrachte und Raum für Austausch zwischen sehr unterschiedlichen institutionellen und erfahrungsbasierten Positionen schuf.
In der ersten Sitzung teilten Per-Henning Mathisen (Saami Council) und Ilaria Sartini (RIFS|GFZ) Einblicke aus dem BIRGEJUPMI-Projekt, nicht als fertiges Modell „best practice“, sondern als einen fortlaufenden Prozess, der durch Aushandlung, Lernen und mitunter Reibungen geprägt ist. Anstatt Mitgestaltung als festes Verfahren zu präsentieren, hob die Diskussion hervor, dass sie eine gelebte Beziehung ist, die Zeit, Vertrauen und Kontinuität erfordert. Die anschließende Austauschrunde eröffnete Raum dafür, dass Teilnehmende freier über ihre eigenen Erfahrungen sprechen konnten — darüber, was Zusammenarbeit ermöglicht und was sie zu oft unterbricht. Diese Gespräche machten eine wiederkehrende Sorge sichtbar: Forschungszeitpläne stimmen selten mit den langsameren Rhythmen überein, die notwendig sind, um bedeutsame Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.
Die zweite Sitzung verlagerte den Blick auf die Strukturen, die Forschung selbst prägen, insbesondere auf Fördersysteme. Unter der Moderation von Nina Döring (RIFS|GFZ) wurde diskutiert, wie Förderrahmen gerechtere Arktisforschung entweder ermöglichen oder einschränken können. Prof. Catherine Dussault (University of Ottawa) brachte Perspektiven aus Kanada ein, wo Prinzipien indigener Datenhoheit wie OCAP® und FAIR zunehmend Debatten über Forschungsethik und Infrastruktur prägen. Ihre Überlegungen machten deutlich, dass Flexibilität in der Fördergestaltung kein technisches Detail ist, sondern eine Voraussetzung für sinnvolle Zusammenarbeit — besonders wenn indigene Partner*innen als Rechteinhaber*innen beteiligt sind.
Über beide Sitzungen hinweg zeigte sich ein gemeinsames Leitmotiv: die Notwendigkeit, Arktisforschung nicht nur als etwas zu denken, das produziert wird, sondern als etwas, das durch Beziehungen erhalten wird. Dazu gehört, Verantwortung über Projektgrenzen hinaus anzuerkennen, unterschiedliche Formen des Wissensausdrucks wertzuschätzen und sicherzustellen, dass Zusammenarbeit nicht mit dem Ende der Finanzierung endet.
Für BIRGEJUPMI bestätigte der Arctic Dialogue, dass gemeinsame Wissensschaffung kein Endpunkt ist, sondern eine Praxis, die fortlaufend innerhalb und mitunter gegen bestehende institutionelle Strukturen verhandelt werden muss.